Grundtvig Workshop: Lese- und Schreibkompetenz Sprachminderheiten

 

EU Workshop Nr.:              2013-1-DE2-GRU13-15929

Ort:                                       Bad Zwischenahn / Deutschland

Datum:                                 30/03/2014 05/04/2014

Workshopsprache:             Deutsch

 

  

Zusammenfassung wesentlicher Ergebnisse:

 

Vom 30. März bis 5. April 2014 trafen sich 16 pädagogisch Aktive aus 5 Ländern beim coneed eG Bildungswerk Bad Zwischenahn / Deutschland. Sie beschäftigten sich mit der Frage, ob eine vorgegebene Bindung an eine Minderheiten- /Regionalsprache eine geringere Lese- und Schreibfähigkeit in der vorherrschenden Landessprache nach sich zieht. Parallel ging es aber auch um die Vorteile, die die entsprechende Sprachkompetenz für Bildungs- und Arbeitsmobilität in Europa hat.  

Nach der Übersicht über die Sprechenden von  Regional und Minderheitensprachen in Europa und nach Diskussion über Lese- und Schreibnachteile dieser Gruppe in der jeweiligen Hauptsprache des Landes konnte gleich viel praktische Erfahrung an vielen Stationen des Workshops gesammelt werden:

- Die Bibliothek Bad Zwischenahn ermöglichte nicht nur Zugang zu Texten in der Regional- und Landessprache, sondern motivierte auch generell altere und jüngere Menschen zum Interesse am geschriebenen Wort = Lesungen, Literaturkreise und Kindergruppen fördern die Motivation zum Lesen und zur weiteren Entwicklung dieser fundamentalen Fähigkeit.

- Der Besuch der Grundschule Wymeer/Ostfriesland beinhaltete die Hospitation in einer in der Regionalsprache Niederdeutsch durchgeführten Unterrichtsstunde in Sachkunde. Die Niederdeutsche Sprache so die Auskunft der Lehrer eröffne auch den leichteren Zugang zur ersten Fremdsprache Englisch. Das gleichberechtigte Nebeneinander von Haupt-und Regionalsprache motiviere damit zum weiteren Lesen/Schreiben anderer Sprachen!

- Das Institut für Niederdeutsche Sprache in Bremen konnte umfangreiche fachwissenschaftliche Aspekte in die Thematik mit einbringen. Lese- und Schreibkompetenz wird in der Regionalsprache wird eine Vielzahl interessanter Kulturaktivitäten befördert , auch durch Popmusik und Jugendtheater. Das Nebeneinander von Haupt- und Regionalsprache kann dabei ein besonderes dramaturgisches Element sein.

- Die Europäische Relevanz einer länderübergreifenden Lese- und Schreibkompetenz wurde durch den Besuch bei der Infostelle EUROPA DIRECT in Oldenburg verdeutlicht.  

Die Freude an der Teamarbeit und die neu vorgestellten pädagogischen Möglichkeiten werden bei allen Teilnehmern in deren eigenes Engagement zur Verbesserung der Lese-/Schreibkompetenz in (Sprach-) Minderheitenregionen einfließen. Dieses führt zu einer weiteren Verbreitung innovativer Kompetenzvermittlung und unterstreicht europaweite Relevanz. Die internationale Herangehensweise, der umfangreiche Austausch unter den pädagogisch aktiven Teilnehmern, die vielen Stationen mit Praxisbeispielen und die besondere Lernatmosphäre führtet zu einem besonders nachhaltig wirkenden Lernerlebnis!

  

Alle Teilnehmer haben den EUROPASS Mobilitätsnachweis erhalten

 
 
 
 

Was uns sehr gefallen hat:

-          Es ist war sehr förderlich, dass bereits am Ankunftstag das ganze Programm detailliert vorgestellt wurde bis in die Einzelheiten und sich so jeder sehr genau ein Bild von den geplanten Aktivitäten machen konnte. Nachfragen wurden umfassend beantwortet.

-          Die täglichen, abendlichen Abschlussrunden gaben ein gutes Evaluations- Gerüst , wurden in den Tagen mehr und mehr als Gemeinschafts-Ritual empfunden, welches den Lernabschnitt abschloss und anschließend freies Gestalten eröffnete. Die Beteiligung an dem täglichen Abschlussgespräch war sehr gut, manchmal impulsiv und reflektierte die gute Lern- und auch Wohlfühlatmosphäre der Teilnehmer.

-          Der geplante Wechsel der Lernorte, oftmals verbunden mit physischer Mobilität (zu Fuß, per Fahrrad, Bus, Bahn) wurde als sehr positiv empfunden: Die Standorte bewirkten immer einen neuen Lernanreiz und ließen ein eher (ermüdendes) Einlassen auf Tageskontinuität nicht zu. Ortswechsel, Überraschung und wechselnde Eindrücke bewirkten eine nicht nachlassende Aufmerksamkeit und motivierten dazu, sich immer mit neuem Interesse in der Thematik zu bewegen.

-           Bei  Teilnehmern, die leicht mobilitätseingeschränkt waren, konnte jederzeit entsprechende Unterstützung (z.B. PKW) beim Wechsel der Lernorte angeboten werden.

-          Die sehr engagierte Leitung des Hotels und die tägliche Bewirtung mit verschiedensten Regionalspeisen (immer mit Erläuterung, was sich auf dem Teller befindet) hat sehr die Freude am Hier zusammen sein unterstützt.

Die Bereitschaft, Kontakt zu halten, wird vom Workshopanbieter unterstützt. Einladungen zur weiterer Kommunikation im Internet sollen ermöglich werden, ggf. wird es zu weiteren Treffen kommen. Die bestehende internationale Vernetzung über das genossenschaftliche Bildungswerk coneed wird hier sehr hilfreich sein.

 

 

Nachhaltigkeit:

Die Arbeit mit Regional- und Minderheitensprachen ist ein fortwährender Arbeitsbereich der coneed eG. Gerade in ländlichen Räumen Europas gibt es diese Sprachenvielfalt nach wie vor, ihre Bedeutung für die Kommunikation innerhalb der EU kann noch besser unterstützt werden.  Die gute regionale Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Sprachminderheit auch deren Einbindung in europaweite Netzwerke lässt Nordwestdeutschland zu einem guten Standort für weitere Aktivitäten in dieser Richtung werden. Da sich in dieser Region mehrere kleine Sprache befinden (Niederdeutsch, Saterfriesisch und die Minderheitensprachen Neddersassisch und Friesisch in der Grenzregion Niederlande) ist eine Kontinuität des Angebots möglich. In Bezug auf positive Veränderung in Sprachnutzung und Lese-/Schreibkompetenz lässt sich grundsätzlich feststellen, dass eine sehr motivierende internationale TN Gruppe hier wahrlich Berge versetzen kann und die Beteiligten mit starker Motivation an ihre lokale/regionale Arbeit gehen. Workshops als Motivationsschub , um sich für Sprache, Lesen und Schreiben zu engagieren, dass ist   d  i  e    positive Wirkung auf  Multiplikatoren und Lehrkräfte.